Kursiv Gedrucktes = nicht historisch
1845 Alberik, Konstantin und Abt Leopold weilen vorübergehend in Wurmsbach.
Im Juli wird der Jesuitenfreund und Luzerner Grossrat, Joseph Leu ermordet. Alberik und Äbtissin Cölestina von Wurmsbach nehmen an der Beerdigung Joseph Leus teil.
Juni: die Konventualen von Muri eröffnen das Kloster Gries in Südtirol.
Ende Juni: die ersten zwei von sieben Jesuiten ziehen in Luzern ein (fünf folgen im Herbst).
1846 Die unter 40-jährigen Wettinger Konventualen müssen in Aarau eine Kompetenzprüfung ablegen zwecks ihrer Verwendbarkeit als Seelsorger. Auf der Heimfahrt erleben sie, wie im Kloster Wettingen Umbauarbeiten vorgenommen werden im Hinblick auf die Eröffnung des künftigen Lehrerseminars. In Zürich besuchen sie die Grossbaustelle des neuen Bahnhofs der Schweizerischen Nordbahn, die nächstes Jahr eröffnet wird. Leonhard Widmer führt die Wettinger Mönche durch das Bahngelände. Auch der erste Fotograph der Schweiz, Johann Baptist Isenring besucht die Baustelle.
Abt Leopold schickt Sekretär Alberik auf eine 14-tägige Rundreise, um die Konventualen befragen zu lassen, ob sie noch immer an einer Klosterneugründung interessiert seien und ob sie notfalls auch ins Ausland ziehen würden.
Im Herbst werden die Konventualen zur Hundertjahrfeier der Translation (Überführung) der Katakombenheiligen Marianus und Getulius nach Wettingen eingeladen.
1847 Januar: Im Kloster Wettingen wird das Aargauische Lehrerseminar eröffnet.
Mai: die Wettinger Konventualen können im Luzernischen Werthenstein das dortige Klösterchen beziehen und für kurze Zeit mönchisches Leben pflegen.
August: in Zürich wird die Spanisch Brötlibahn eingeweiht. Leonhard Widmer ist Ehrengast. In den folgenden Tagen fährt er nach Baden, um den abtrünnigen Mönch Heinrich Hartmeier zu besuchen, der dort privatisiert. Er fährt am Kloster Wettingen vorbei und sieht von weitem Augustin Keller am Fenster der Abteiräume, die er als sein Direktionszimmer einrichtet.
Heinrich Hartmeier hat einen Sinneswandel vollzogen und verurteilt Leonhard Widmers Jesuitenhetze.
November: Der Sonderbundskrieg (dritter Jesuitenzug) beendet die Hoffnung auf eine Bleibe in Werthenstein. Die Mönche müssen fliehen. Die Verbleibenden werden später polizeilich ausgewiesen.
1848/49 Die Jesuiten werden in der Schweiz verboten und des Landes verwiesen. Von Wurmsbach aus gehen die Bestrebungen Abt Leopolds und Alberik Zwyssigs unentwegt weiter, ein neues Kloster zu finden, doch auch im Ausland werden sie nicht fündig, trotz gewaltiger Anstrengungen.
Alberik Zwyssig leitet den Kirchenchor von Rapperswil.
1850 Am Patroziniumsfest in Rapperswil dirigiert Alberik Zwyssig die Festmesse.
Unter den Zuhörern ist auch Alma Hochreuthener, die sich als Gärtnergehilfin in Wurmsbach beworben hat.
1851 Pater Ludwig Oswald, der 1849 eine Pfarrstelle in Altstätten, Kanton SG, angetreten hat, ist jeweils sommerlicher Feriengast in Wurmsbach. Er ist entzückt vom Charme der Wienerin Alma, die ihre Stelle als Gärtnerin inzwischen angetreten hat. Besonders erleichtert über seine Hilfsgärtnerin ist Gaudenz Langmeier, der bisherige Vorsteher der Gärtnerei, denn er hat unter starken Rückenschmerzen zu leiden. Alma erzählt ihm von einem Heilmittel aus dem Kloster Fahr. Sie lädt Gaudenz auf ihr Zimmer und reibt es ihm ein. Dabei kommt es zur zärtlichen Annäherung der beiden Gartenhilfen. Doch Alma kennt nur einen, den sie wirklich liebt: Alberik Zwyssig. Aus Verzweiflung, dass er ihre Liebe nicht erwidert, kündigt sie ihre Stelle und kehrt nach Wien zurück, wo sie eine Karriere als Sängerin startet.
In Wurmsbach löst sich das Rätsel um das verschwundene Wettinger Weihrauchfass: der Dieb ist nicht P. Ludwig, sondern Klosterverwalter Hausecker.
1853 In Einsiedeln trifft Alberik Zwyssig den befreundeten Musikpater Anselm Schubiger. Er vertraut ihm an, dass den Wettinger Konventualen eine neue Hoffnung winkt, das ehemalige Kloster Mehrerau bei Bregenz.
1854 März: Abt Leopold Höchle, P. Alberik Zwyssig und Bruder Konstantin reisen zu einer Audienz bei Kaiser Franz Joseph in Wien, um sich für den Erwerb der Mehrerau zu bedanken.
Die Audienz bei Kaiser Franz Josef

Foto: hofburg-wien.at
Wie schon am Tag zuvor wurden Abt und Sekretär durch weite Gänge und hohe Räume des kaiserlichen Palastes geführt. Endlich gelangten sie zum Vorzimmer des Audienzraumes, aus dem eben drei elegant gekleidete Herren traten. Geduldig warteten die beiden Bittsteller, bis sie zur Audienz aufgerufen wurden. Endlich war es soweit, und der Höhepunkt ihrer bald 14-tägigen Reise stand bevor, die Audienz beim österreichischen Kaiser.
Ein Kammerdiener hob feierlich die Audienzliste und rief auf:
„Zur Audienz bitte: Abt Leopold Höchle, Kloster Wettingen, Schweiz!“
Der Aufgerufene erhob sich, und mit ihm sein Sekretär. Gemeinsam näherten sie sich dem Eingang zum Audienzzimmer. Da trat ein Kammerdiener auf Alberik zu, hob abweisend die linke Hand und sagte:
„Sie nicht, gnädiger Herr!“
Der Abt versuchte zu intervenieren.
„Aber er ist doch mein Sekretär.“
Darauf der Kammerdiener:
„Aber er steht nicht auf der Liste.“
Und zu Alberik:
„Sie warten hier, bitte!“
Verdutzt blieb Alberik stehen, während der Diener Abt Leopold zum Audi-enzzimmer geleitete …
Der 24-jährige Kaiser, der 14 Tage vor seiner Heirat mit Elisabeth – Sissi – stand, empfing den 63-Jährigen recht freundlich. Dieser machte eine zwei-fache Verbeugung.
Kaiser Franz Joseph erhob sich, kam dem Abt entgegen und wollte eine dritte Verbeugung verhindern.
„Abt Leopold von Wettingen, Seien Sie mir herzlich willkommen. Ich freue mich, dass Sie die Strapazen der Reise so gut überstanden haben.“
Abt Leopold machte noch eine dritte Verbeugung.
„Euere kaiserliche apostolische Majestät hatten huldvollst geruhet, unsere Bitte für ein klösterliches Asyl in allerhöchst Ihren Staaten zur Fortsetzung der Kloster-Korporation Wettingen allergnädigst zu gewähren. Diese aller-höchste Gnade machte es mir als Abt von Wettingen zur heiligen Pflicht, Eurer kaiserlichen Majestät hiefür persönlich zu danken.“
Da fragte der Kaiser:
„Sind denn die Mönche schon eingezogen?“
Abt Leopold verneinte mit den ausgestreckten Fingern beider Hände.
„Noch nicht, denn bevor wir es wagten, die Übersiedlung vorzunehmen, wollten wir vorher Euerer kaiserlichen Majestät unseren tiefgefühlten Dank persönlich darbringen. Nach unserer Rückkehr werden wir aber bald die Schweiz verlassen und nach Mehrerau abreisen.“
Darauf der Kaiser:

„Die Bregenzer und Vorarlberger werden sich über Ihre Ankunft freuen.“
Zufrieden nickte der Abt, und der Kaiser fügte hinzu:
„Auch ich habe Freude, dass Sie in mein Land kommen.“
Nun holte Abt Leopold zu einem geschichtlichen Exkurs aus.
„Der Konvent von Wettingen hat im Laufe mehrerer Jahrhunderte den Schutz und das Wohlwollen des erlauchten Hauses Habsburg-Österreich genossen, und dieser erneute Gnadenakt Euerer kaiserlichen Majestät legt fortan mir und meinen Religiosen die heilige Verpflichtung auf, stets für das hohe Wohl Eurer kaiserlichen Majestät zu beten, ganz besonders aber bei Allerhöchstdero bevorstehenden höchstfeierlichen Vermählung das Gebet zu verdoppeln …“
Der Kaiser schmunzelte, während Abt Leopold den Satz zu Ende führte und sprach:
„… sowie das ganze kaiserliche Herrscherhaus in unser Gebet und das Heilige Opfer einzuschliessen.“
Wiederum lächelte der Kaiser.
„Euerer kaiserlichen Majestät Gnade ermutiget mich, noch eine weitere Bitte am Fusse des Thrones niederzulegen. Wir kaufen nämlich das ehemalige Kloster Mehrerau bei Bregenz aus den Ersparnissen der Religiosen an den Pensionen seit dem 14-jährigen Exilium und bitten alleruntertänigst, Euere kaiserliche Majestät wolle huldvollst geruhen, uns die landesüblichen Kauf-taxen in Gnaden zu erlassen. Ferner erfordert die Gebäulichkeit namhafte Reparaturen, sowie dann mit der Zeit zum Bau einer Kirche geschritten werden muss. Zu dem gekauften Anwesen gehört nun kein Holzwachs, wohl aber steht zunächst anstossend eine ehemals dem Kloster gehörige Waldparzelle von cirka 70 – 80 Jucharten, die seit der Säkularisierung des Stiftes Eigentum des Ärars[1] ist.

Dürfte ich nun alleruntertänigst bitten, dass eure kaiserliche Majestät diese Waldung der neuen Kolonie in Mehrerau, dem wiedererstehenden Stifte allergnädigst zuweisen möchten? Wir hoffen und werden uns bemühen, sobald wir durch Aufnahme neuer Mitglieder wieder erstarkt sind, mit Gottes Hilfe durch segensreiches Wirken in Seelsorge und Schule uns dem Lande nützlich zu machen und als getreue Untertanen eurer kaiserlichen Majestät Gnade zu verdienen.“
Da fragte der Kaiser:
„Haben Sie denn das Bittgesuch nicht schriftlich bei sich?“
„Doch, euere kaiserliche Majestät, das habe ich.“
„Dann geben Sie es mir doch bitte.“
Der Abt zog das Gesuch hervor, übergab es dem Kaiser und bat ihn, es zu signieren.
Erneut lächelte der Kaiser huldvoll.
„Es wird wohl geschehen. Ich danke Ihnen für Ihren Besuch und wünsche Ihnen und Ihren Begleitern eine gute Heimreise.“
Der Wettinger Abt verabschiedete sich, rückwärtsschreitend, mehrfach sich verbeugend … Damit war die Audienz zu Ende.
Beim Verlassen der Hofburg wirkte Alberik niedergeschlagen und sprach kein Wort.
Verlegen suchte der Abt nach einer Erklärung.
„Alberik, Alberik, es tut mir wirklich leid, die Sache mit der Audienzliste …“
Der von der Audienz Ausgeschlossene fing sich rasch auf und verfiel in heitere Stimmung.
„Dafür habe ich die künftige Kaiserin von Österreich gesehen!“
Inzwischen war auch Bruder Konstantin wieder zu den von der Hofburg Einherschreitenden gestossen. In aller Ausführlichkeit liess er sich von der Audienz berichten. Diese dauerte zwar nur eine knappe Viertelstunde, aber die Schilderung über die bedeutsame Konversation nahm fast eine Stunde in Anspruch.
„Und du, Konstantin? Wie hast du die Zeit verbracht?“
„Ich habe die Schneiderei besucht, in der ich vor dreissig Jahren meine Lehre gemacht habe. Zu meiner grössten Freude habe ich dort meinen Lehrmeister angetroffen, der im Januar seinen 85. Geburtstag feiern konnte. Es war ein tränenreiches Wiedersehen! Seine beiden Söhne führen inzwischen das Geschäft, aber der Herr Papa hilft im Betrieb, so gut er nur kann.“
Und scherzhaft fügte er hinzu:
„Seht nur, wie alt ein Schneidermeister wird!“
„Hoffen wir nur, dass auch du so alt wirst, lieber Konstantin, du bist eine grosse Stütze für uns! Deine Zuverlässigkeit, Dein Humor, Deine Beständigkeit! … Kein Wunder hat dir mein unvergesslicher Vorgänger, Abt Alberik Denzler, bei deiner Profess den Namen Konstantin verliehen!“ lobte der Prälat seinen treuen Begleiter.
„Gnädiger Herr“, unterbrach Alberik, „wenngleich auch ich mich Ihren Komplimenten voll und ganz anschliesse und dem lieben Konstantin[2] ein langes Leben wünsche, so müssen wir doch schon bald an die Weiterreise denken. Anfang Mai sollten wir wieder in Wurmsbach sein. Es sind noch wichtige Details zu regeln.“
„Für den geplanten Abstecher nach Brixen und Gries wird es aber sicher reichen.“
„Gewiss, Gnädiger Herr, das ist eingeplant, und wir haben genügend Zeit dafür, auch für die Höflichkeitsbesuche, die uns noch bevorstehen.“
Einer dieser Besuche galt den Schweizer Studenten an der Universität Wien, die – zur grossen Überraschung ihrer Landsleute – in einem doppelt besetzten Männerchorquartett den Schweizerpsalm vortrugen.
Alberik war so gerührt ob dieser Sympathiekundgebung, dass er sich ein paar Tränen aus den Augen wischten musste.
Auch Abt Leopold war völlig überwältigt von der Darbietung der Wiener Studenten und sagte zum Abschied:
„Herzlichen Dank für den ergreifenden Vortrag und Ihnen von Herzen Alles Gute für Ihr Studium und Ihre Zukunft!“
[1] Vermögen einer Körperschaft
[2] Bruder Konstantin wurde 99 Jahre alt!