Infolge eines Protokollfehlers wird Alberik Zwyssig nicht zur Audienz mit dem Kaiser, der
14 Tage vor seiner Heirat mit Elisabeth (Sissi) steht, zugelassen.
Im Laufe des Sommers werden die stark herunter gekommenen Gebäude der Mehrerau renoviert.
Am 18. Oktober wird das Kloster Mehrerau eröffnet.
Am 19. November stirbt Alberik Zwyssig infolge einer Lungenentzündung.
1876/78 Erste Zwyssigbiographien
1894 Gedenktafel für den Schweizerpsalm an der Kapelle St. Karl Zug. Erster Vorstoss von C.L. Romieux, den Schweizerpsalm zur Landeshymne zu bestimmen.
1900 Gedenkmünze für P. Alberik Zwyssig in Gold, Silber und Bronze
1901 Zwyssigdenkmal in Bauen
1910 Schweizerpsalmdenkmal in Zürich
1919ff Als inoffizielle Landeshymnen gelten sowohl „Rufst du mein Vaterland“ als auch der „Schweizerpsalm“.
Zahlreiche Wettbewerbe und Anläufen zu einer neuen Landeshymne bleiben erfolglos.
1938 Überfall der deutschen Wehrmacht auf Österreich
1941 Aufhebung der Mehrerau (bis 1945) und zweite Vertreibung der Mönche
Lederhösler und 2. Aufhebung der Mehrerau
Der Tag der Aufhebung der Mehrerau war schon seit der Karwoche, seit dem 7. April 1941, erwartet worden. Aber es vergingen der Mai, der Juni …
Doch am Sonntag, 20. Juli meldete ein verlässlicher Informant aus der Gau-hauptstadt Innsbruck, dass „die Henker des Klosters“, wie sich P. Paul Sinz in seinem Lebenslauf ausdrückt, am folgenden Montag zur Tat schreiten würden.
„Schon am Vorabend schlichen dieselben Männer, die dem Auflösungstrupp angehörten, um die Ökonomiegebäude und Werkstätten. Am Montagmorgen, gegen 9 Uhr, schoben sich im Dienste der Gestapo stehende „ungehobelte Lederhösler” und Alltagszivilträger, Männer der Gestapo Innsbruck und SS-Männer, angeführt von einem älteren Mann mit abstossendem Äusseren durch die Klosterpforte. Sie fragten mich nach dem Obern des Hauses.
Nach wenigen Minuten waren Prior und Konvent – die Laienbrüder kamen erst allmählich von ihren Arbeitsplätzen – im Rekreationssaal versammelt. Den Patres gegenüber nahm der Exekutionspeloton Stellung, und der rauhäutige, runzelige Häuptling, dessen Gesicht im Himmel der gehörnten Engel modelliert worden zu sein schien, eröffnete das Feuer: ,Ich bin von der Geheimen Staatspolizei beauftragt, Ihnen zu sagen, dass das Kloster Mehrerau mit dem heutigen Tage aufgehoben und samt allen beweglichen und unbeweglichen Gütern, mit lebendem und totem Inventar beschlagnahmt ist.ʼ Dann stand er einige Augenblicke stumm, riss die buschig gehörnten Brauen empor und Mund und Augen auf, als hätte er einen ungezogenen Knaben geprügelt und wartete nun die Wirkung ab; oder als wollte er sagen: ‚Nicht wahr, da staunt ihr, was man fertig bringt, wenn man an der Macht ist!‘ Prior Laurenz Göppel, der grosse Ruhe bewahrt hatte, ergriff das Wort und legte in aller Form Einspruch gegen die Massregelung ein: ,Ich bin sehr erstaunt über diese Massnahme und erhebe als Oberer dagegen Protest. Das Haus hat sich bemüht, stets nur zum Besten des Landes und Volkes zu wirken. Ich bitte um Angabe der Gründe, die ein solches Vorgehen rechtfertigen.ʼ Der Häuptling erwiderte kurz und anonym, wie es Nazibrauch war: ,Da sind wir nicht zuständig; erkundigen Sie sich in Berlin!ʼ … Dann gab der Rottenführer nähere Weisungen: ,Packen Sie sofort zusammen!! Jedem ist gestattet, mit sich zu nehmen, was er zu eigen hat. Geld muss abgeliefert werden, wenn man nicht den Verlust seines Gepäckes riskieren will. Sie haben Zivilkleider anzulegen und bis 17 Uhr aus dem Haus und bis 18 Uhr aus dem Gau zu verschwinden. Denn Sie haben Gauverbot. … Sie haben zu verschwinden!ʼ … Der Konvent war niedergeschmettert. Die Aufhebung selbst hatte zwar nicht überrascht; aber die Eile, mit der man in wenigen Stunden mit Handgepäck und abgezähltem Reisegroschen zu verschwinden hatte, und die Landesverweisung waren nicht vorgesehen. … Wir standen noch vor unserem Hinrichtungskommando. Die Verurteilten machten ihrem Unwillen verschiedentlich Luft. P. Stephan Wasserer[1] schrie dazwischen: ,Ich bin Vorarlberger; wohin soll ich gehen?ʼ Der Häuptling: ,Sie haben ja ein Haus in der Nähe von Nürnberg. Gehen Sie dorthin!ʼ Der Mann hatte Seligenporten im Auge, war also über die Mehrerauer Ordensprovinz gut unterrichtet. Dass er dennoch nicht Birnau am Bodensee als Zufluchtsort angab, liess erkennen, die Aufhebung von Birnau sei damals schon beschlossene Sache gewesen. ,Nach Seligenporten!?ʼ riefen die Patres in choro; ,das ist ja bereits von Bessarabiern[2] gefüllt.ʼ Der Nazi darauf: ,Dann werden Sie schon irgendwo unterkommen. Jedenfalls haben Sie hier zu verschwinden!ʼ Während dieser und ähnlicher Wortwechsel waren mehr und mehr auch die Brüder im Saale erschienen. Was mit ihnen zu geschehen habe. ,Die Handwerker und Ökonomiearbeiter bleiben hier arbeitsverpflichtet; die andern haben Haus und Gau zu verlassen wie die Patres.ʼ
Die Verhandlungen dauerten nicht allzu lange …“
Zusammenfassend schreibt P. Paul Sinz in seinem Lebenslauf: 9 Uhr, kam, wie uns tags zuvor von vertraulicher Seite aus Innsbruck mitgeteilt worden war, ein ziviles Exekutions-Peleton der Geheimen Staatspolizei, dessen Häuptling dem Konvent die Konfiszierung allen klösterlichen Besitzes und Gauverweisung aller Patres innerhalb sieben Stunden bekanntgab. … Ich erhielt – neben Handgepäck – 10 DM als einmalige Abfindungssumme.
Die Patres und die betroffenen Brüder begaben sich nun in ihre Zellen, um – unter Aufsicht je eines SS-Mannes – das Bündel zu schnüren. … Um Mittag war der Konvent zum letzten Male brüderlich bei Tisch versammelt. P. Prior Laurenz Göppel bestellte in der Küche noch ein Dessert. Doch die Gestapo verbot dessen Verabreichung und tat sich selber daran gütlich.
Am späten Nachmittag zählte im Pfortengang Verwalter P. Gerhard Brunhart unter den prüfenden Augen der Gestapo jedem Scheidenden das Reisegeld in die Hand. Bis 17 Uhr hatten die meisten Ausgestossenen, dem Zwange ge-horchend, das Kloster verlassen, doch nicht, wie ihnen anbefohlen wurde, in Laienkleidern, sondern im Ordensgewand! Zur Vorsicht aber trugen sie Zivilkleider im Handgepäck. Die meisten von ihnen strebten dem Bahnhof oder dem Schiffsteg zu, wobei ihnen hochangesehene Bregenzer Bürger einen Reisegroschen mitgaben. P. Notker Eisenring und Bruder Goswin Blöchlinger, die beiden Eidgenossen, verstärkten den Konvent von Hauterive. Alle andern vertriebenen Patres wandten sich an ihre Heimatbischöfe, denen sie als Hilfsseelsorger meist sehr willkommen waren.
Die Vertreibung der Konventualen hatte sich schnell herumgesprochen, und gegen Abend fand sich viel Volk im Kloster ein und bekundete lautstark seine Empörung, sodass die „Herren Räuber“ Mühe hatten, es sich vom Leibe zu schaffen.
Die Deutschen Konventualen konnten mit Hilfe Pater Priors P. Laurenz Göppel die Erlaubnis erzwingen, bis zum folgenden Tag mit der Abreise zu warten. So zogen sie am 22. Juli zunächst nach Birnau, wurden aber dort bereits nach 10 Tagen wiederum vertrieben, weil die Propstei Birnau als Filiale und Eigentum der Mehrerau am 31. Juli von der Gestapo ebenfalls aufgelöst und enteignet wurde.

Die erneut Verjagten fanden vorübergehend im Kloster Beuron Gastrecht, bis sie sich für einen endgültigen Aufenthaltsort entschieden oder nach einem Betätigungsfeld umgesehen hatten. P. Dr. Bruno Griesser, der im Kloster Waldsassen in Nordbayern geistliche Übungen geleitet hatte, war vom Gauverbot nicht betroffen und übernahm eine Seelsorgestelle in Blons im Grosswalsertal.
Alle Konventualen standen bald in Arbeit und Brot. Prior und Abtvikar Laurenz Göppel leitete den Konvent vom Kloster Lichtenthal aus, das ihm von Frau Äbtissin Bernarda als Standquartier angeboten wurde.
[1]geb.1902 in Rankweil (+1983)
[2] 1940 umgesiedelte „volksdeutsche“ Bessarabier; Teil des heutigen Moldawien: unter den 1944 geflohenen Bessarabiendeutschen waren die Eltern des nachmaligen deutschen Bundespräsidenten Horst Köhler